Von Christian Jaeger
Karl Wimmer vom Tri-Team Triftern musste den
Schock erst mal verdauen. Bei der traditionsreichsten Veranstaltung in
Deutschland über die Kurzdistanz (1500 m Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km
Laufen), dem Alpen-Triathlon am Schliersee, wurde der Simbacher über die
Lautsprecher schon als Sieger des Amateur-Rennens ausgerufen – bis zwei Stunden
später der nachgestartete Sebastian Neef seine Zeit noch unterbot.
Schuld war offensichtlich das neue Chip-System, das für die Zeitmessung zuständig war und von Beginn an nicht einwandfrei funktionierte. Es kam dabei zu Verzögerungen − Sebastian Neef wie Karl Wimmer für die Gruppe Top-100 Amateure eingeteilt, verpasste den Start und nahm das Rennen erst wesentlich später auf, was zunächst nicht auffiel.
„Da ich wieder zurück ins Lokal musste, war ich bei der Siegerehrung nicht mehr vor Ort und musste von meinem 2. Platz übers Internet erfahren. Den Alpen-Klassiker doch nicht gewonnen zu haben schmerzt, ist aber jetzt schon wieder vergessen. Das ist der große Ansporn für das nächste Mal“, gibt sich Karl Wimmer kämpferisch.
Ein Spruch in der Szene besagt: „Wer am Alpen-Triathlon nicht teilgenommen hat, ist kein Triathlet“. Das Event zieht Jahr für Jahr die Top-Athleten und hunderte Amateure in seinen Bann. Spitzensportler wie Thomas Hellriegel, Lothar Leder oder Daniel Unger haben die Veranstaltung schon gewonnen. In diesem Jahr war Faris Al-Sultan, der Hawaii-Sieger von 2005, dabei. „Er wurde nur 23. bei den Profis Das unterstreicht, wie extrem hoch das Niveau war“, so Karl Wimmer. Stolz ist der Gastronom auf seine abschließende Laufzeit: „Ich war sogar schneller als Faris.“ Der Amateur-Sportler liebt anspruchsvolle und schwere Strecken. „Da ist das Resultat gerechter, weil jeder mit dem Gelände und sich kämpft und nicht über Windschattenfahren oder ähnliches diskutiert werden muss.“
Trotz Starkregen mit teilweise Hagel und tiefem Untergrund ließ sich Karl Wimmer nicht beirren. Er zog einsam seine Runden und erarbeitete sich einen komfortablen Vorsprung. „Deswegen bin ich in der dritten und letzten Lauf-Runde fast mehr gejoggt, weil ich ja wusste, dass ich so viel Zeit nicht mehr verlieren kann. Es schien doch alles klar.“ Äußerst ärgerlich, wie sich heraus stellen sollte. Denn nachdem Karl Wimmer bereits wieder auf der Heimreise war, überquerte Sebastian Neef zwei Minuten schneller die Ziellinie und gewann. Karl Wimmer benötigte 2:13,06 Stunden, Sebastian Neef 2:10,59 Stunden.
Der Schwimm-Auftakt für Karl Wimmer war zwar eher durchwachsen, doch dann gab er richtig Gas. Auf der 40 km langen Rad-Strecke setzte er sich am Schlussanstieg schließlich von der Führungsgruppe ab. Fünf Kilometer ging es mit bis zu 14 Prozent auf den Spitzingsattel zur Rad-Lauf-Wechselzone hinauf. Extrem steile Anstiege und gefährliche Abfahrten verlangten von den Athleten alles ab. „Der Wind machte das Radfahren zu einer Herausforderung, Windschattenfahren war für die Amateure nicht erlaubt.“
Doch der Alpen-Triathlon ist noch lange nicht Wimmers letztes Ziel für dieses Jahr. Der Gastwirt nimmt am Sonntag, 14. August, an der Europameisterschaft über die Halb-Ironman-Distanz (1900 m Schwimmen, 90 km Radfahren, 21,1 km Laufen) teil. In Wiesbaden will sich der Simbacher die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in den USA holen. Die findet in Las Vegas am 11. September statt. „Da will ich unbedingt hin“, so Karl Wimmer.
Glückwunsch vom gesamten ASC Simbach a. Inn