
Karl und
Patrizia Wimmer mussten beide lächeln, als sie mit dem Auto auf ihr Haus
zugefahren sind und das große Bettlaken am Garagentor erblickten. Aber
eigentlich hatten sie schon mit einer Begrüßung dieser Art gerechnet. Das Laken
hat Patrizias Mutter noch schnell beschrieben und aufhängt. "Wir gratulieren
Patrizia und Karli zu ihrem Erfolg bei der WM-Ironman 70.3 in Las Vegas:
Vize-Weltmeister und 51.te", steht darauf. Karl und Patrizia traten beide bei
der WM, an und haben diese Platzierungen errungen.Dieser
Ironman-70.3-Triathlon,
den das Ehepaar Wimmer bestritt, entspricht der Hälfte der klassischen
Ironman-Distanz. Es müssen dabei 1,9 Kilometer geschwommen, 90 Kilometer mit dem
Rad gefahren und die Halbmarathon-Distanz von 21,1 Kilometer gelaufen werden.
Karl Wimmer schaffte dies in vier Stunden und 23 Minuten, seine Frau absolvierte
den Wettkampf mit einer Zeit von fünf Stunden 34 Minuten.
Schwierige Quali Dass sie als Paar bei Triathlons dieser Größenordnung antreten, ist schon sehr außergewöhnlich. "Wir werden oft von anderen Startern darauf angesprochen, dass sie so etwas noch nicht mitbekommen hätten," erzählen die beiden. Denn sich für die WM zu qualifizieren, ist ziemlich schwierig. Es stehen nur wenige Quali-Plätze bei der Europameisterschaft zur Verfügung. Diese fand vor vier Wochen in Wiesbaden statt. Karl Wimmer holte sich dabei den Titel.
Sportler-Ehepaare
gibt es immer wieder, doch in der Regel lernen sich die Partner erst über den
Sport kennen. Im Fall Wimmer ist das anders. Die Braunauerin und der Simbacher
sind seit 1994 ein Paar. Zu diesem Zeitpunkt war er noch begnadeter Fußballer.
Doch der Mannschaftssport ließ sich nicht mehr mit seinem Beruf in der
Gastronomie vereinbaren. Karl Wimmer führt mit seinen Eltern zusammen ein
Gasthaus mit 40 Betten. Er lernte Koch sowie Hotel- und Restaurantfachmann.
"Wenn wir Training hatten, musste ich noch in der Küche stehen, das ging nicht
mehr", erzählt er rückblickend. Eine Individualsportart musste zum körperlichen
Ausgleich her.
Und weil er "einfach nur Laufen" oder "einfach nur Radfahren" zu "fad" findet, probierte er es gleich mit Triathlon. 1996 startete er zum ersten Mal in Braunau. "Hier lief es gleich gut und seither bin ich infiziert", schildert er seine Leidenschaft.
Perfekte Einstellung Aber aus reinem Spaß betreibt Karl Wimmer diesen Sport nicht. Was er anpackt, muss Hand und Fuß haben, das heißt, "wenn ich wo starte, dann will ich gewinnen", sagt er. Und mit dieser Einstellung trainiert er natürlich sehr viel, vor allem in der heißen Phase vor der Europa- und Weltmeisterschaft. Auch wenn Karli − wie er von allen genannt wird − erst gegen 23 Uhr Feierabend hat, geht er danach noch trainieren.